KATJA MEIROWSKY - Zurück in die Stadt

Der Titel unserer neuen Ausstellung »Katja Meirowsky – Zurück in die Stadt« verweist auf die gleichnamige Serie von Kohlezeichnungen der Künstlerin aus dem Jahr 1947 und auf ihre zweimalige Rückkehr nach Berlin: 1945 aus dem polnischen Exil und im Jahr 2000 von ihrem fast fünf Jahrzehnte langen Aufenthalt auf der Insel Ibiza.
 
Die vielseitig begabte Künstlerin Katja Meirowsky schuf ein umfangreiches malerisches Werk, schrieb poetische Texte und hatte schauspielerisches Talent. So gehörte sie in der Aufbruchsstimmung der Nachkriegsjahre 1949 zu den Gründungs- und Ensemblemitgliedern des legendären Berliner Künstlerkabaretts »Die Badewanne«, in dem auch ihre engen Freunde, der Bildhauer Waldemar Grzimek und die Maler Werner Heldt sowie Heinz Trökes mitwirkten.
 
Werner Heldt betonte bereits 1951 die besondere Stellung der Künstlerin unter den malenden und zeichnenden Frauen in Deutschland. Er hob dabei die herausragenden Kompositionen ihrer Bilder sowie deren besonderes Kolorit hervor. Seit ihren Ausstellungen 1945 und 1949 in den Berliner Galerien Rosen und Bremer wurden ihre Werke in vielen internationalen Ausstellungen präsentiert, u.a. in Basel, Madrid, Florenz, Stockholm, London, Chicago und New York.
 
Skulpturen von Waldemar Grzimek (1918-1984), einem der bedeutendsten Bildhauer der Nachkriegszeit, und Bilder von Heinz Trökes (1913-1997), einem der führenden Vertreter der Nachkriegsmoderne, ergänzen in unserer Ausstellung die Gemälde und Arbeiten auf Papier von Katja Meirowsky.
 
Zur Vernissage am Freitag, dem 2. September, um 18 Uhr laden wir Sie herzlich ein. Der Musikwissenschaftler Manuel Trökes, der als Sohn von Heinz und Renée Trökes, engen Freunden und Wegbegleitern von Katja Meirowsky, das Trökes-Archiv leitet, wird die Laudatio halten.
Katja Meirowsky | Frau mit Gitarre (li) und Spaziergang mit Corki (re) | 2001 | Mischtechnik und Pastell
Katja Meirowsky | Frau mit Gitarre (li) und Spaziergang mit Corki (re) | 2001 | Mischtechnik und Pastell

KATJA MEIROWSKY (1920-2012)
 
Ihrer künstlerischen Begabung folgend, begann Katja Meirowsky 1939 in Berlin Malerei zu studieren. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verboten ihr die Nationalsozialisten 1942 die Fortsetzung des Studiums. Im selben Jahr flüchtete sie nach Polen. 1945 kehrte Katja Meirowsky nach Berlin zurück, gehörte zum Kreis der avantgardistischen Künstlerinnen und Künstler der Stadt und beteiligte sich erfolgreich an nationalen und internationalen Ausstellungen.
 
Nach ihren politischen und künstlerischen Erfahrungen in der Nachkriegszeit wählte die Malerin 1953 Ibiza zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt. Auf der Insel öffnete sich ihr eine faszinierende Welt an neuen Motiven und Inspirationen. Ihr Künstlerfreund Waldemar Grzimek besuchte sie mehrmals auf der Insel. Gemeinsam mit Hans Laabs und Heinz Trökes, ihren Freunden seit der Zeit im Kabarett „Die Badewanne“, war Katja Meirowsky als einzige Frau Mitglied der „Grupo Ibiza 59“, die Künstler verschiedener Nationalitäten auf der Insel vereinte.
 
Eindrücke und Erlebnisse aus ihren beiden Lebenswelten Berlin und Ibiza prägen auf einzigartige Weise ihre Kunst. Katja Meirowsky folgte weniger künstlerischen Strömungen, sondern schöpfte aus ihren persönlichen Empfindungen. In ihren Werken schieben sich Innen- und Außenwelt ineinander. Die Bilder haben trotz einer gedämpften Farbigkeit eine unterschwellige Leuchtkraft, changieren zwischen Traum- und Landschaftselementen, kristallinen Formen und schwebenden Gegenständen, wobei die Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion fließend ist.