Titel
Hans Kinder
Beschreibung

* 6. August 1900 in Dresden; † 20. Januar 1986 in Dresden
 
Deutscher Maler
 
Hans Kinder ist ein bedeutender Vertreter des Dresdner Spätkubismus. Die entscheidenden Impulse für sein Schaffen kommen aus der ganzheitlichen ästhetischen Auffassung des Bauhauses, der Dresdner Malkultur, dem Kubismus und der Auseinandersetzung mit Picasso. Charakteristisch für sein künstlerisches Werk ist die Darstellung von Bewegung, Simultanität und Transparenz auf der Fläche. Das wird besonders im Spätwerk, dem Höhepunkt seines Schaffens, deutlich.
 
Von 1916 bis 1917 besucht Kinder die Kunstgewerbeschule in Dresden. Sein Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg unterbricht die Ausbildung. 1924 ist er für ein Jahr Hospitant am Bauhaus in Weimar. Diese Zeit legt das Fundament für die Beziehung Kinders zur Wissenschaft. Sein Interesse richtet sich dabei auf Farb- und Formfragen, die Einheit von Ratio und ästhetischer Empfindung sowie die „psychische Eigenschaft optischer Bezugssysteme”.
 
Von 1925 bis 1932 studiert Kinder an der Akademie der Künste in Dresden. Er ist Meisterschüler von Max Feldbauer und schließt im Fach Wandmalerei ab. 1928 und 1931 erhält der Künstler den Großen Sächsischen Staatspreis. 1932 wird er Mitglied der Neuen Dresdner Sezession.
 
Während der Nazidiktatur ist Kinders Kunst unerwünscht. Mit Arbeiten zur Wandgestaltung sichert er in den 1930er Jahren den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Der Zweite Weltkrieg unterbricht sein Schaffen nochmals. 1942 trifft er während eines Fronturlaubs in Paris – durch Vermittlung des Schriftstellers und Offiziers Ernst Jünger – Picasso in dessen Atelier.
 
Nach 1945 ist Kinder freischaffend in Dresden tätig und tritt 1947 der Dresdner Künstlergruppe „Das Ufer” bei. Zum staatlich gelenkten Kunst- und Kulturbetrieb in der DDR hält er Abstand. Im Zuge des Wiederaufbaus widmet er sich erneut der Wandmalerei. Er realisiert bis 1970 zahlreiche, heute nicht mehr erhaltene architekturbezogene Arbeiten in seiner Heimatstadt sowie in Berlin und Leipzig.
 
Kinder bewundert den französischen Pantomimen Marcel Marceau. Die Beschäftigung mit den pantomimischen Bewegungsabläufen führt zu einer zunehmenden Reduzierung und Abstraktion im eigenen Werk. Zwischen 1963 und 1984 entsteht der sogenannte Marceau-Zyklus.
 
Von 1957 an verbringt Kinder die Sommer regelmäßig in Ahrenshoop an der Ostseeküste. Hier wird sein Bedürfnis nach Farb- und Formerlebnissen durch das Licht und das Meer erfüllt. Im letzten Lebensabschnitt erreicht sein Werk noch einmal einen Höhepunkt an Fülle und Leichtigkeit. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1981 flüchtet sich Kinder in die Arbeit. Es entstehen bis 1986 vier Werkzyklen (Orpheus-, Eros-, Spektrum- und der unvollendete A-Zyklus).
 
Wenige Tage vor seinem Tod schreibt der Maler in sein Tagebuch: „In einem gewissen Sinn arbeite ich immer noch an einer Analyse der zwanziger Jahre. Doch hat dieser Prozess eine Wandlung erfahren von einer Analyse zu einer Katalyse und weiter zu einer Synthese.”