Projekttitel
Louise Stomps
Objektbeschreibung

* 5. Oktober 1900 in Berlin; † 22. April 1988 bei Wasserburg am Inn
 
Deutscher Bildhauerin und Zeichnerin
 
Louise Stomps gehört wie Renée Sintenis, Emy Roeder und Jenny Wiegmann-Mucchi zu den Repräsentantinnen der Berliner Moderne und der ersten Generation freischaffender Bildhauerinnen in Berlin bzw. Deutschland. Sie gilt als frühe Vertreterin der organischen Abstraktion. Ihre Figuren kennzeichnet Einfachheit und Ausdruckskraft der Formen. Der präzise Umgang mit Naturmaterialien und die spielerische Handhabung großer Formate charakterisieren ihr Werk, das nach 1945 hohe Anerkennung findet. 
 
Louise Stomps’ Begabung zeigt sich früh, doch kann sie erst nach der Geburt ihrer Töchter und der Scheidung ihrer Ehe von 1928 bis 1932 die Bildhauerklasse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin besuchen. Kurzzeitig nimmt sie auch Unterricht bei Milly Steger im Verein der Berliner Künstlerinnen. 1927 entstehen ihre ersten Holzskulpturen, 1933 beginnt sie vermehrt auch in Stein zu arbeiten. Zwischen 1928 und 1934 hat Louise Stomps erste Ausstellungen. Nach 1933 zieht sich die Künstlerin in tiefer Ablehnung und Verachtung des NS-Regimes in die innere Emigration zurück und lebt unter schwierigen materiellen Bedingungen. 1943 werden bei einem Bombenangriff auf Berlin ihre Wohnung und ein Großteil ihrer Arbeiten zerstört. Unmittelbar nach dem Krieg stellt die Künstlerin in der Berliner Galerie Gerd Rosen aus. 1953 gehört sie in London zu den Preisträgern des „Wettbewerbs zum Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen“. Von 1946 bis 1951 beschäftigt sie sich neben der Bildhauerei auch intensiv mit Malerei und Zeichnen. 1951 ehrt Berlin Louise Stomps mit dem Kunstpreis der Stadt. 1960 zieht Louise Stomps nach Rechtmehring bei Wasserburg (Oberbayern) um, wo sie bis zu ihrem Lebensende ein umfangreiches plastisches Werk schafft.
 
Ab 1958 hat Louise Stomps zahlreiche Einzelausstellungen, u.a. vier Ausstellungen beim Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker von Rath. Am 22. April 1988 verunglückt Louise Stomps auf ihrem Motorrad tödlich. Die Grabskulptur „Mutter Erde“ auf dem Friedhof Berlin-Zehlendorf hat sie selbst für ihre dort ebenfalls beigesetzten Eltern geschaffen. Die Berlinische Galerie besitzt ebenso wie staatliche Sammlungen Arbeiten von ihr. 2018 ist sie in der Ausstellung „Die erste Generation. Bildauerinnen der Berliner Moderne“ im Berliner Georg Kolbe Museum mit 12 Skulpturen und einigen Grafiken vertreten. Das Verborgene Museum richtet ihr 2021 in der Berlinischen Galerie eine umfangreiche Einzelausstellung aus.