Titel
Wolfgang Frankenstein
Beschreibung

* 15. Mai 1918 in Berlin; † 7. März 2010 in Berlin

Deutscher Maler und Grafiker

Wolfgang Frankensteins frühe Bilder gehören zur Kunst der Berliner Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg. In seinen Arbeiten knüpft er an die europäische Moderne an, die während des Nationalsozialismus diffamiert wurde. Über alle Schaffensphasen hinweg verbindet Frankenstein Abstraktion und Gegenständlichkeit. Die kubischen Strukturen und emotional aufgeladenen Farben seiner Arbeiten erzeugen ein starkes Spannungsfeld. Eindrücke, die er der Natur oder der gesellschaftlichen Wirklichkeit entnimmt, verfremdet und übersteigert er oft durch seine eigenen inneren Bilder, Ängste und Träume.

Frankenstein erhält als Kind Zeichenunterricht bei Paul Kuhfuss. Bei Max Kaus absolviert er von 1933 bis 1937 ein Abendstudium an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg. Anschließend arbeitet er bis 1939 als Volontär in einem Gebrauchsgrafik-Atelier. An den Wochenenden fährt er nach Gransee und an die Ostsee, um Landschaften zu malen. In Ahrenshoop befreundet er sich mit dem Maler Alfred Partikel und lernt hier auch Hans Brass kennen, in dessen „Bunte Stube“ er 1949 gemeinsam mit anderen Künstlern ausstellt. 1939 wird Frankensteins Bewerbung zum Studium abgelehnt, da seine Einberufung zum Wehrdienst Vorrang hat.

Ab 1939 ist er als Melder im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. 1941 erfolgt die Entlassung, weil er als „Halbjude“ „wehrunwürdig“ ist. Er nimmt ein Studium an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin auf und befreundet sich hier mit Waldemar Grzimek und Gerhard Moll. 1942 erhält Frankenstein erneut Studienverbot und wird dienstverpflichtet. Die Nationalsozialisten verschleppen 1943 seinen Vater in das KZ Sachsenhausen, seine Mutter wird ein halbes Jahr inhaftiert. Er selbst wird fünf Tage lang von der Gestapo verhört. 1944 erhält er einen Gestellungsbefehl zum Arbeitslager der Organisation Todt. Da dies für ihn der Haft in einem KZ gleichkommt, unternimmt er einen Selbsttötungsversuch.

Ab 1946 gehört Frankenstein zum festen Stamm der Galerie Gerd Rosen, ein Zentrum der jungen, modernen Kunst in Berlin. Er ist einer der ersten und wichtigen abstrakten Künstler. In seine Arbeiten gehen surrealistische, konstruktivistische und kubistische Stilmittel ein. Bei Gerd Rosen hat er 1947 und 1949 Einzelausstellungen. 1948 ist er Mitbegründer und Mitakteur des Künstlerkabaretts „Die Badewanne“. An der Akademie der Künste in Ostberlin hat er von 1952 bis 1955 eine Aspirantur bei Heinrich Ehmsen. Enttäuscht von den politischen Entwicklungen im Westen Deutschlands, tritt er öffentlich gegen die Remilitarisierung auf. Daraufhin wird er aus verschiedenen Verbänden ausgeschlossen. 1953 reist er gemeinsam mit Waldemar Grzimek durch Italien und lernt bedeutende italienische Künstler der Moderne persönlich kennen. Im selben Jahr siedelt Frankenstein nach Ostberlin über. Mit großen Wandbildern für den öffentlichen Raum realisiert er in den folgenden Jahrzehnten sein künstlerisches Anliegen, unmittelbar in die Gesellschaft hineinzuwirken.

1962 wird Frankenstein als Professor an die Universität Greifswald berufen. Von 1968 bis 1983 leitet er das Institut für Kunsterziehung an der Humboldt-Universität. Gemeinsam mit seinem Schüler Hartmut Hornung  gestaltet er 1986 im Berliner U-Bahnhof Magdalenenstraße einen Wandbild-Zyklus zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.