Titel
Martel Schwichtenberg
Beschreibung

* 5. Juni 1896 in Hannover; † 31. Juli 1945 in Sulzburg (Baden)
 
Deutsche Malerin und Grafikerin
 
Martel Schwichtenbergs Werk ist heterogen. Auf den expressionistischen Anfang folgt ein flächig-dekorativer Stil, der in den vierziger Jahren von einer abstrakten Phase abgelöst wird.
Martel Schwichtenberg studiert in Düsseldorf von 1913 bis 1916 an der privaten Kunstschule von Kunowski und anschließend an der Kunstgewerbeschule. 1916 stellt sie im Folkwang-Museum aus. Sie begegnet dem Expressionisten Christian Rohlfs und der Bildhauerin Milly Steger. 1917 kehrt sie nach Hannover zurück, wo sie vom Unternehmer Hermann Bahlsen mit werbegrafischen Arbeiten für seine Keksfabrik beauftragt wird. Hieraus entwickelt sich eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Darüber hinaus arbeitet sie mit dem Bildhauer Bernhard Hoetger an Hermann Bahlsens visionärem Projekt TET-Stadt.
 
Die Sommer 1918 und 1919 verbringt sie in Worpswede, mit Hoetger, Heinrich Vogler und anderen. Ein Festvertrag mit Bahlsen ermöglicht es ihr 1920, in Berlin-Charlottenburg ein Atelier zu mieten. Sie tritt dem Deutschen Werkbund bei und wird Mitglied der revolutionären Novembergruppe, in deren Ausstellungen sie vertreten ist. Martel Schwichtenberg heiratet ihren Malerkollegen Willy Robert Huth. Zum Freundeskreis des Ehepaares gehört die Hoetger-Schülerin Emy Roeder, eine der führenden Vertreterinnen des bildhauerischen Expressionismus. Anfang der zwanziger Jahre wendet sich die Malerin der Kunst der Brücke-Grafiker zu und wird von Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff gefördert. 1922 erwirbt Katherine Dreier, Mitbegründerin der New Yorker Künstlerorganisation Société Anonyme Inc., zwei Werke von ihr. Nach mehreren Sommeraufenthalten in Pommern entsteht 1923 die Lithografien-Mappe „Bilder aus Pommern“, die von der Hannoveraner Kestner-Gesellschaft herausgebracht wird. Ende des Jahrzehnts hat sie mit Stillleben sowie im Stil der Neuen Sachlichkeit gemalten Porträts ihre größten Erfolge. 1929 nimmt sie in Berlin an der Ausstellung „Die Frau von heute“ teil und zeigt in den Jahren darauf ihre Arbeiten in großen Berliner Galerien (Flechtheim), in London, Detroit, Chicago und New York.
 
1933 wandert Martel Schwichtenberg über Italien nach Südafrika aus. Sie arbeitet weiter für die Bahlsen-Werke und realisiert als Großauftrag ein Wandgemälde im Johannesburger Haus des Rundfunks. Bei einem Wohnungs- und Atelierbrand werden 1938 etwa 400 Werke vernichtet. Im August 1939 kommt sie nach Deutschland. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kann sie nicht mehr ausreisen und lebt fortan in Süddeutschland. Ein Jahr vor ihrem Tod erschließt sie sich mit der Monotypie eine neue Technik. Mit Landschaften und Blumenbildern findet sie noch einmal zu ihrer künstlerischen Ausdruckskraft zurück.
 
Teile ihres Nachlasses werden im Schleswig-Holsteinischen-Landesmuseum Schloß Gottorf aufbewahrt. In Hannover erinnert seit 2006 die Martel-Schwichtenberg-Straße im Stadtteil Seelhorst an die Künstlerin.