Titel
Hans Brass
Beschreibung

* 9. Juli 1885 in Wesel am Rhein; † 30. Mai 1959 Berlin-Biesdorf

Deutscher Maler und Grafiker

Hans Brass macht sich als Maler und Grafiker des linksgerichteten deutschen Expressionismus in den 1920/30er Jahren einen Namen.
Ende 1899 erwacht in dem vierzehnjährigen Brass der Wunsch, Maler zu werden. Ab 1902 beginnt er Ausbildungen an den Kunstgewerbeschulen in Magdeburg und München. In Berlin arbeitet er von 1904 bis 1908 gelegentlich als Gebrauchsgrafiker für Zeitungs- und Buchverlage. 1915 geht Brass an die Front. Unter dem Eindruck des Grauens in den Schützengräben beschäftigt er sich mit expressionistischen Kunst-Konzepten. 1917 kommt er erstmals mit Herwarth Walden in Kontakt und wird Mitglied des Sturm-Kreises. Nach der ersten Ausstellung 1919 gemeinsam mit Waldens Ehefrau Nell  in der Sturm-Galerie löst sich Brass aus diesem Umfeld. Er tritt der Novembergruppe bei, an deren Ausstellungen er von 1919 bis 1923 teilnimmt.
 
1921 siedelt er nach Ahrenshoop an die Ostseeküste über. Hier eröffnet er zusammen mit seiner zweiten Frau Martha Wegscheider die “Bunte Stube”, ein Laden u. a. für Kunstgewerbe. Aber die Führung des Geschäfts bindet Brass’ Kräfte, so dass seine künstlerische Arbeit fast zum Erliegen kommt.  Von 1927 bis 1931 (und noch einmal kurz 1945) setzt er sich als Amtsvorsteher der Gemeinde Ahrenshoop für die Entwicklung des Seebades ein. 1931 zieht Brass wieder nach Berlin um und beteiligt sich an der Herbstausstellung der Berliner Secession.
 
1935 tritt der Künstler aus politischen Gründen aus der Reichskulturkammer aus. Sein starker christlicher Glaube ist für ihn eine Quelle der Hoffnung, die ihn die Zeit des Nationalsozialismus überstehen lässt. Von 1937 bis 1948 lebt er wieder in Ahrenshoop. Ab 1943 wendet er sich wieder verstärkt der Malerei zu. Seine Motive entspringen der Religion, sein Stil greift die expressive, abstrahierende Formensprache vom Beginn der zwanziger Jahre auf.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg findet Brass seine volle künstlerische Energie wieder. Er malt und führt Tagebuch zu Zeitgeschehnissen. Bereits bei seiner großen Einzelausstellung 1946 in Schwerin wird sein Konflikt mit der sowjetisch orientierten Kunst- und Kulturpolitik im Osten Deutschlands deutlich. Auch später erfüllen weder die Themen noch die Bildsprache des Malers die Anforderungen der sozialistischen Ideologie und Propaganda. 1948 hat Brass wieder eine Einzelausstellung in Berlin, im Kunsthaus Tempelhof, begleitet von einem Katalog. Ab 1950 ist Brass Mitglied im jeweiligen Berufsverband der bildenden Künstler in Ost- und Westberlin. Er setzt sich für die Vielfalt künstlerischer Handschriften und die Achtung künstlerischer Überzeugungen ein.