Titel
August Gaul
Beschreibung

* 22. Oktober 1869 in Großauheim b. Hanau; † 18. Oktober 1921 in Berlin
 
Bildhauer und Medailleur
 
Georg August Gaul ist ein Meister der Tierplastik. Er zeigt die Tiere in ruhiger, typischer Haltung, konzentriert auf das Wesentliche, weitgehend frei von stofflichen Strukturen. Mit dieser sachlichen Sichtweise nimmt er Merkmale der beginnenden Moderne vorweg.
 
Erste Anregungen für seinen späteren Beruf erhält Gaul in der Steinmetz-Werkstatt seines Vaters. Nach einer Lehre als Modelleur und Ziseleur ist er ab 1884 Schüler an der Zeichenakademie in Hanau. 1888 geht er nach Berlin, wo er die Abendschule des Kunstgewerbemuseums besucht und im Bildhaueratelier von Alexander Calandrelli arbeitet. Nach dem Gewinn einer Dauerfreikarte für den Berliner Zoo betreibt er dort ab 1890 intensive Zeichenstudien. 1894 beginnt Gaul an der Berliner Kunstakademie ein Studium in der Klasse des Malers Paul Meyerheim, dessen Stärke die Tierdarstellung ist. Im Jahr darauf wird Gaul Meisterschüler im Atelier von Reinhold Begas, dem führenden Vertreter des Neobarock in der Berliner Bildhauerschule. Mit der Skulptur der „Römischen Ziegen“, die auch auf der Pariser Weltausstellung von 1900 gezeigt werden, erlangt Gaul größere Bekanntheit. 1898 gehört der Künstler zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession, in dessen Vorstand er ab 1902 tätig ist. Neben Erwerbungen durch Privatpersonen kauft 1906 die Hamburger Kunsthalle neun Tierskulpturen des Bildhauers an. Zu den engeren Freunden des Künstlers gehören die Bildhauer Bernhard Heising und Ernst Barlach, der Zeichner Heinrich Zille und der Galerist Paul Cassirer. 1908 wird Gaul zum Professor an der Akademie der Künste ernannt und 1919 in die Ankaufkommission der Berliner Nationalgalerie berufen.
 
Arbeiten des Künstlers befinden sich auch im öffentlichen Raum in Berlin, u.a. ein Eselsreiter im Foyer des Rathauses Berlin-Spandau und Enten auf dem Brunnen vor dem Renaissance-Theater. Einzel- und Gruppenausstellungen mit Arbeiten von Gaul waren z.B. 2009 im Georg Kolbe Museum Berlin, 2011 im Historischen Museum Hanau und 2015 im Kunstmuseum Bern zu sehen.